Das Geschäft mit der Sucht

Es sterben um ein Vielfaches mehr Menschen direkt an den Folgen des Rauchens anstatt zu verbrennen (Grafik: WissenschaftWirtschaft)

Zigarettenhersteller können sich glücklich schätzen, denn das, was sie produzieren, nämlich Zigaretten, haben etwas, was anderes nicht hat: Nicotin. Das tolle an dieser Droge, sie macht schnell süchtig. Und es gibt doch kaum bessere Kunden, als solche, welche ein Leben lang immer und immer wieder das Produkt eines Herstellers kaufen, nur weil sie danach süchtig sind! Ein weiterer toller Vorteil daran ist, dass es sich hierbei um Produkte handeln dürfte, welche sich auch in Wirtschaftskrisen nach wie vor gut verkaufen. Doch man sollte sich in der Wirtschaft stetig steigern, mehr verkaufen, höhere Umsätze und Gewinne erzielen. Auch hier haben es Firmen wie Marlboro, Camel oder Winston mehr oder weniger leicht: Um die Nachfrage zu erhöhen, könnte man ja schliesslich die Süchtigen süchtiger machen. Im Idealfall geschieht das so, ohne dass man anfänglich auf die Idee kommt, dass davon die Zigarettenmarken profitieren könnten. Wunderbar ist das der Zigaretten-Lobby mit einer neuen EU-Vorschrift gelungen: seit dem 17. November 2011 sind in der Europäischen Union nur noch „Brandschutz-Zigaretten“ zugelassen. Diese gehen aus, wenn man nicht ständig an ihnen zieht, weil sich in ihrem Inneren zwei Bänder befinden, welche dafür sorgen, dass kaum mehr Sauerstoff in das Zigaretteninnere gelangt und somit die Glut erlöschen lassen, sobald sie einen der Ringe erreicht hat. Damit soll vermieden werden, dass, wie es bis anhin häufig geschah, brennende Zigaretten dafür sorgen, dass über sie hinaus auch noch das ganze Haus brennt, mitunter dadurch auch Menschen aus dem Leben gerissen werden. Selbstverständlich ist es schwer bis unmöglich, als nicht-involvierter nahezulegen, geschweige denn zu beweisen, dass tatsächlich die Zigarettenindustrie ihre Finger bei diesem neuen EU-Gesetz im Spiel hatte, es handelt sich also folglich um rein spekulative Annahmen. Aber es ist der eigentliche oder vielleicht besser der vermeintliche Sinn dieses Verbots von herkömmlichen Zigaretten ohne „Brandgefahrverminderung“ doch sehr anzuzweifeln. Auch wenn mittels Statistiken faktisch belegt werden kann, dass somit sehr viele Menschen vor dem Tod durch das Feuer (oder dessen Rauch) gerettet werden können, schwingt dabei trotzdem ein Hauch Ironie mit, da doch jährlich eine halbe Million Europäer an den Folgen des Rauchens sterben sollen – die Zahl der durch die neuen Zigaretten geretteten Leben ist im Vergleich dazu so verschwindend klein, dass es unter allen Umständen berechtigt ist, den Sinn dieses Gesetzes weitgehend anzuzweifeln. Letztlich spielt es auch kaum eine Rolle, wie stark und ob die Zigarettenhersteller bei diesem Gesetzt mitgewirkt haben, freuen können sie sich so oder so.

 

Link: WELT ONLINE: Neue Zigaretten-Generation erschlicht von selbst

Der Wert einer guten Ausbildung

Wie viel und auf wessen Kosten darf Bildung kosten?

Bildung ist teuer. Das ist allgemein bekannt und immer wieder ein nationales Streitthema in vielen verschiedenen Ländern. Es wird in der Politik diskutiert, was das optimale Bildungssystem sei und wie es funktionieren sollte. Dabei geht es nicht nur um die Pflichtschule (im Schweizer Kanton Aargau also die Primar- und anschliessend die Oberstufe wie Bezirks-, Sekundar- und Realschule) sondern auch um das, was danach kommt – bis hin zur Hochschule und Universität. Nicht selten soll gerade jetzt bei der Bildung gespart werden, um das national Budget zu entlasten. Das gilt besonders für Staaten mit einer angeschlagenen Finanzlage. Doch wenn man die Mittel hat, ist es extrem wichtig und sinnvoll, in die Bildung zu investieren. Es handelt sich hierbei nämlich um Geld, welches ausgegeben wird, um später viel daran verdienen zu können. Das perfekte Bildungssystem gibt es wahrscheinlich nicht, aber wenn man ein gutes, wenn auch teures, hat, ist es wichtig, dieses beizubehalten oder eventuell auch gegen einen finanziellen Mehraufwand zu verbessern. Der Grund darin liegt in der Zukunft. Denn wenn man gut ausgebildete Menschen hat, können diese später mitunter als Garanten für die Stabilität der Wirtschaft funktionieren. Aufgrund dem, was ihnen in vielen Jahren an Wissen und Kenntnissen vermittelt wurde, sind sie nämlich in der Lage, wichtige und tragende Position in Politik und Wirtschaft zu übernehmen, und diese beiden Komponente haben ja bekanntlich sehr viel miteinander zu tun. Wobei an dieser Stelle auch angemerkt sei, dass nicht vergessen werden darf, dass es nicht nur Menschen hohen Bildungsniveaus braucht, da ansonsten zu viele für gewisse Position vorhanden und somit überflüssig wären. Trotzdem soll sich dieser Post hauptsächlich auf die höhere Bildung, insbesondere bezüglich Universitäten, beziehen. So ist ein Punkt, welcher ich mit gewisser Skepsis, wenn auch mit Verständnis, sehe, dass Universitäten nicht oder nicht nur den Staat, sondern besonders auch die Studenten (oder deren Eltern) kosten. Das ist in der Schweiz genauso wie in den meisten anderen Staaten auch. Das verhindert aber, dass Menschen, welche grosses Potential in verschiedener Hinsicht besitzen, studieren können, weil ihnen die finanzielle Kraft fehlt. Das ist sehr schade.

Gratis Unis führen zu überfüllten Hörsälen wie hier in Wien (Quelle: APA)

Allerdings – und deshalb der vorige Verweis auf das gegebene Verständnis – wären auch einige Probleme gegeben, wenn man die Universitäten gratis machen würde. Das zeigt sich zum Beispiel gut, wenn man nach Österreich schaut, weil dort (noch) keine (hohen) Universitätsgebühren für die Studenten anfallen. Das Schöne daran ist, dass so jeder die Möglichkeit zu studieren hat, und die Herkunft hinsichtlich der finanziellen Schicht irrelevant ist. Aber das ist nur die eine, die schöne Seite einer „Gratis-Universität“. Besonders ungut daran sind zwei Folgen an diesem Uni-Prinzip: Viele Studierende werden zu Langzeitstudenten. Da sie nicht für die Kosten ihrer Ausbildung aufkommen müssen, haben sie keinen zeitlichen Druck und können so in Ruhe Semester um Semester anhängen, bevor sie ins Berufsleben einsteigen und somit der Wirtschaft etwas bringen. Das ist schädlich für den Staat, der viel für vergleichsweise wenig Eigennutzen (Förderung der Wirtschaft) zahlen muss. Weiter ist ein Problem, dass wenn ein Land keine Uni-Gebühren verlangt, ganz im Gegensatz zu den Nachbarstaaten ringsherum, massenhaft Studenten aus dem Ausland kommen, sich die kostenfreie Ausbildung „hohlen“ und dann wieder in ihr Heimatland zurückwandern. In diesem Fall kommt der Staat für die Kosten einer Ausbildung eines Menschen auf, der der heimischen Wirtschaft genau nichts bringt, weil er ja dann wieder ab-/wegreist. Und aufgrund letzterem Problem kommt auch schon das nächste: Die Anzahl der Studenten steigt dramatisch an – die Kosten explodieren. Besonders deutlich sieht man das am Beispiel Wien: Die Universität Wien ist wie die anderen der Stadt im Prinzip gratis, mit knapp 90’000 Studenten die grösste im deutschen Sprach- und Kulturraum, die Wirtschaftsuniversität Wien ist die grösste Wirtschaftsuniversität Europas, mit an die 26’000 Studenten praktisch gleich gross wie die Züricher Uni, und die Medizinische Universität Wien, ebenfalls die grösste seiner Art im deutschen Sprachraum, ist Lehranstalt für 7’500 Studenten. Würde die Liste mit allen Unis Wiens weitergeführt werden, würde sie sich noch weit hinziehen. Insgesamt studieren in Wien rund 160’000 Studenten, die Unis platzen aus allen Nähten, die Qualität leidet. Vor lauter Platznot haben die Studenten Wiens auch schon demonstriert. In der Politik wird deshalb auch die Einführung von Gebühren diskutiert. Man hat sich also zu entscheiden zwischen Unis mit Gebühren und Unis für alle. Die positiven wie auch negativen Konsequenzen wurden aufgezeigt.

Links: DerStandard.at über die zukünftige Entwicklung der Anzahl Studierender in Österreich

Politische Motivation ist tödliche Motivation

Zentrale von S&P in New York (Quelle: CNN Money)

Es ist nicht das erste Mal, wo hier ein Post über Ratingagenturen geschrieben wird, doch sind die letzten Handlungen von Standard & Poor’s so fatal, dass sich diese schlicht nicht ignorieren lassen. Denn diese Ratingagentur hat mit einem einzigen Schlag gleich neun europäische Staaten herabgestuft. Besonders fraglich an dieser Aktion ist vor allem die Motivation. Es sieht nämlich ganz danach aus, als sei diese keine objektive, auf faktischen Begebenheiten beruhende, Entscheidung gewesen, sondern eher eine politische. Dafür sprechen mehrere Indizien: Auch wenn die Probleme der europäischen Schuldenstaaten noch längst nicht gelöst sind, zeichnete sich zuletzt etwas Beruhigung ab, da Italien und Spanien ihre Anleihen zu überraschend niedrigen Zinsen platzieren konnten. Deshalb sprachen einige Wirtschaftswissenschaftler sogar schon davon, dass das erste Anzeichen dafür seien, dass die Spitze der Krise überschritten sei, auch wenn noch viel Arbeit bevorstehe. Und obwohl erste Ansätze einer etwaigen Beruhigung der Lage vorhanden waren, schlug S&P um sich, und gefährdet damit diese positive Entwicklung dramatisch. Denn es wurden ganze neun Staaten auf einmal herabgestuft – ein weiteres Indiz für eventuelle politische Absichten – und damit gleich eine gewaltige Kettenreaktion ausgelöst; verlor doch tatsächlich Frankreich sein AAA. Das bedeutet, dass Frankreich, die – wohl angemerkt – zweitgrösste Volkswirtschaft der EU nun wahrscheinlich höhere Zinsen für das Aufnehmen neuer Kredite zahlen muss und dass somit die Franzosen nicht mehr so viel Geld für den EFSF aufwenden können. Das wiederum hat zur Folge, dass, weil der Euro-Rettungsschirm deutlich an Kraft verliert, die gefährdeten Länder noch gefährdeter sind, da ihre Rettung womöglich nicht mehr finanziert werden könnte. Es ist also so, dass ein einziges amerikanisches Unternehmen, die Ratingagentur S&P, die weitere positive Entwicklung der Eurozone merklich erschwert hat.

Darüber ärgern sich auch viele europäische Politiker. Selbst wenn man berücksichtigt, dass Politiker stets versuchen ihr Handeln zu rechtfertigen und in diesem Fall freilich jede Schuld von sich zu weisen versuchen, sind einige ihrer Argumente gegen S&P doch durchaus nachvollziehbar. Einige Politiker vergleichen Länder wie etwa die USA oder Grossbritannien mit Europa und stellen in Frage, wieso sich die Ratingagentur sich denn nicht mit diesen auseinandersetzt. Guido Westerwelle meint:

Wir brauchen dringend mehr Wettbewerb und unabhängige, europäische Rating-Agenturen, damit nicht politische oder wirtschaftliche Interessen zulasten des Euro und zulasten Europas zur Geltung kommen können.“

Kritik kommt aber nicht nur aus Deutschland beziehungsweise Europa, selbst China erhebt die Stimme gegen S&P und macht sinngemäss deutlich, dass Ratingagenturen darauf achten müssten, dass ihre Macht nicht zu negativen Auswirkungen in der Entwicklung der Wirtschaft führen sollte. Im Falle von Frankreich ist die Herabstufung nicht nur aufgrund der grossen Bedeutung in Europa dieses Landes besonders brisant, sondern auch weil damit sogar Einfluss auf die kommenden Präsidentschaftswahlen genommen werden. Frankreichs Finanzminister versuchte im Fernsehen jedenfalls, das schlechte Rating nicht ganz so schlecht aussehen zu lassen.

Links: SPIEGEL ONLINE mit einem Artikel zu Äusserungen von Politikern bezüglich Ratingagenturen, n-tv.de: „China verwarnt S&P“, mit Video

Swiss überfliegt Swissair – tatsächlich ein Triumph?

Verschiedene Zeitungen warten mit grossen Schlagzeilen bezüglich der respektablen Leistungen der Swiss auf, weil diese mehr Passagiere transportiert, als es die Swissair je getan hat. So leitet etwa 20 Minuten Online seinen Artikel hierzu mit folgenden Sätzen ein:

Jubel bei der Swiss: Die Fluggesellschaft hat die Marke von 15 Millionen transportierten Passagiere deutlich durchbrochen. Damit stellt die Swiss die altehrwürdige Swissair in den Schatten“

Die Swiss: zwar erfolgreich, aber trotzdem keine Swissair (Quelle: Swiss)

Faktisch ist das auch nicht zu bestreiten, die Zahlen sprechen zweifellos für sich, doch ist der Jubel mit Vorsicht zu geniessen. Bei genauerer Betrachtung wird nämlich erkennbar, dass das, was die Swiss geleistet hat, gar nicht so mit Erfolg ausgefüllt ist, wie man anfänglich glauben könnte, sondern lediglich ein Aufschliessen an das, was eine andere Fluggesellschaft schon elf Jahre zuvor geschafft hat – mit derselben Ausgangsposition! Und seitdem wuchs die Luftfahrtindustrie gewaltig, was bedeutet, dass wenn man die 15 Millionen Passagiere der Swissair von 2000 als Startpunkt nähme und von da an bis heute mit dem durchschnittlichen Wachstum der Luftfahrtindustrie rechnete, man auf eine Zahl käme, welche die 15 Millionen im grossen Stil überstiege. Damit will ich das Wachstum oder die Leistungen der Swiss nicht schlechtreden – ist sie immerhin die einzige gewinnbringende Tochter der Lufthansa – sondern lediglich darauf verweisen, was hätte sein können, wenn die Swissair weiterbestehen geblieben wäre. Freilich lässt sich nach dem Grund fragen, wieso man sich Gedanken über etwas macht, was gewesen wäre, wenn, aber es soll verdeutlichen, dass auch wenn es der Swiss grundsätzlich gut geht und davon auch die heimischen Flughäfen, welche die Swiss als Drehkreuze nützt, profitieren, das Potential um Welten hätte grösser sein können. Insofern ist also der Verlust der Swissair ein Verlust, welcher sich auch noch auf die heutige Wirtschaft der Schweiz auswirkt.

Weniger schlimm aus ökonomischer Sicht ist hingegen, dass die Swiss eine Tochter der Lufthansa geworden ist, zumindest in der heutigen Situation. Es ist nämlich grundsätzlich so, dass kleinere Fluggesellschaften profitieren, wenn sie sich in grosse eingliedern können. Das ermöglicht ein um ein Vielfaches grösseres Streckennetz und deutlich höhere Chancen für den Bestand beim derzeitigen Konkurrenzdruck, welcher mächtig auf den – insbesondere europäischen – Fluggesellschaften lastet.

Links: Homepage der Swiss, oben zitierter Artikel der 20 Minuten Online zum Passagierrekord der Swiss, Artikel zum Passagierrekord auf NZZ Online

Wie man Geldberge in astronomischer Höhe schafft

In New Mexico befindet sich ein Terminal, welcher die Passagiere empfängt und ein saftiges Stück Blick auf das Vorfeld preisgibt, wo die Fluggäste ihre Fluggeräte, mit denen sie bald über eine 3’048 Meter lange Piste aus Beton rollen werden, bereits sehen können. Das im vorgegangenen Satz der Begriff „Flughafen“ nicht verwendet wurde, ist im Übrigen kein Zufall, handelt es sich schliesslich um keinen solchen, auch wenn sich alles danach anhört. Tatsächlich geht es um den „Spaceport America“, dem ersten privaten Weltraumhafen der Welt! Von hier aus werden also keine Flüge nach Europa oder Asien starten, sondern mit dem Ziel in eine Höhe zu steigen, in der es kein Oben oder Unten mehr gibt. Zum einen wird der Spaceport America Weltraumflüge wissenschaftlicher Zwecke ermöglichen, jedoch wird er auch als Basis für Raumfahrtunternehmen zur Verfügung stehen, welche eine andere Zielgruppe als ein paar Wissenschaftler haben: Touristen.

So soll das Ganze in naher Zukunft aussehen (der hier abgebildete Weltraumhafen „Spaceport America“ sowie die Fluggeräte wurden bereits realisiert) (Quelle: Virgin Galactic)

Tatsächlich existiert so ein Unternehmen auch schon, und die ersten Starts sollen nicht mehr lange auf sich warten lassen. Es nennt sich „Virgin Galactic“ und will Geld verdienen, indem es mitunter Touristen ins All transportiert. In diesem Zusammenhang drängt sich förmlich die Frage auf, ob das wirklich eine vernünftige Möglichkeit ist, Gewinne kassieren zu können und ob solche Weltraumflüge überhaupt leistbar sind. Ersteres kann man aufgrund letzterem bejahen: Es gibt in der Tat nicht wenige, welche bereit sind, ihr Gelbörserl für einen Ausflug – im wahrsten Sinne des Wortes – weit zu öffnen, sehr weit. In Wahrheit ist es nämlich so, dass sich diese Flüge nur leisten kann, wer zu viel Geld hat. Doch von diesen gibt es genug, daher dürfte es sich wahrhaftig um eine rentable Branche handeln, zumal aktuell die Konkurrenz auch noch nicht wirklich gross ist. Auf der Homepage von Virgin Galactic kann man sich auch gleich für einen Weltraumflug anmelden. Sollten also Sie, liebe Leserin, lieber Leser, dazu beitragen wollen, die überweltliche Wirtschaft in Gang zu bringen, so bekommen Sie Tickets schon am 200’000 US-Dollar. Das wäre sicherlich auch eine gute Idee für ein Geburtstagsgeschenk, worüber sich die meisten Empfänger freuen dürften! Auch wenn Sie den Inhalt der vorgegangenen Sätze als humoristisch angehaucht empfunden haben sollten, theoretisch wäre es absolut möglich, sofern Sie ein genug grosses Konto hätten, seien Sie sich dem Bewusst. Denn das waren mal Zukunftsvisionen.

Links: Homepage des Spaceport America, Homepage von Virgin Galactic

Wenig Telekommunikationsunternehmen, viel Preis

Mobiltelefone bzw. deren Abos sind in der Schweiz verglichen mit dem Ausland teuer

Swisscom, Sunrise und Orange, das sind die drei grossen Telekommunikationsanbieter in der Schweiz, wobei schon alleine Swisscom einen Marktanteil von mehr als 60 Prozent alleine für sich zu beanspruchen weiss. Viele Kunden der Swisscom freuen sich darüber, können sie doch so mit vielen anderen Menschen, welche ebenfalls Swisscom nutzen, gratis telefonieren, und glauben sich mit dieser Leistung des Anbieters als gut bediente Kunden zu wissen. Tatsächlich ist es aber überhaupt nicht gut für die Schweizer Kunden, dass so viele bei Swisscom sind. Es resultiert daraus nämlich, dass zum einen Swisscom eine Monopolstellung besitzt und diese auch nützt, zum anderen die beiden weiteren Anbieter Sunrise und Orange mit einem Marktanteil von jeweils rund 21 und 17 Prozent zu wenige sind, um einen richtigen Konkurrenzdruck aufzubauen beziehungsweise einen Konkurrenzkampf zu entfachen. In der Schweiz ist es nämlich so, dass diese drei die Preise konstant hoch halten – verglichen mit dem Ausland gibt es hierzulande nur miserabelste Angebote! Schon alleine der Blick zu unserem nördlichen Nachbarn zeigt, was gute oder angemessene Preise sind. In Deutschland kämpfen nämlich die Deutsche Telekom, O2, Vodafone und E-Plus heftig um ihre Kundschaft. Da keiner einen so gewaltigen Marktanteil wie Swisscom in der Schweiz hat, zählen in Deutschland Argumente wie etwa „viele haben das, also will ich das auch, weil ich dann mit denen, die das auch haben, gratis telefonieren kann“, nicht, weil kein Anbieter mehr als 37 Prozent Marktanteil hat. Um nochmals die Erinnerung wach zu rufen: Annähernd zwei Drittel aller Schweizer Kunden von Telekommunikationsunternehmen sind bei Swisscom, zwei Drittel – in Deutschland ist nur gut ein Drittel Kunde des dort grössten Anbieters (Deutsche Telekom)!

Um die riesigen Differenzen zwischen der Schweiz und dem Ausland (in diesem Fall Deutschland) weiter zu verdeutlichen, um zu zeigen, was für Unterschiede der härtere Konkurrenzkampf bezüglich der Preise ausmacht, werden folgend das iPhone 4S respektive dessen Preise bei Swisscom und O2 verglichen:

  • iPhone 4S, 16 GB: Bei Swisscom (Schweiz): CHF 149.00, monatlich CHF 75.00. bzw. bei O2 (Deutschland): € 19.00, monatlich € 47.75

Bei beiden Anbietern wurde das Abo gewählt, welches den günstigsten Preis für das Telefon zum Inhalt hatte und 24 Monate läuft.

Wird das oben gezeigte aus- und alles in Franken umgerechnet zeigt sich, dass das iPhone 4S bei der Swisscom letztlich auf 1’949 Franken, dasselbe Gerät bei O2 jedoch nur auf rund 1’423.77 Franken kommt – ein Unterschied von über 525 Franken! Selbstverständlich ist dieser Vergleich in keiner Hinsicht repräsentativ, jedoch sieht es bei fast allen Geräten so aus. Ausnahmen, also das etwas in der Schweiz günstiger ist, sind folglich nicht auszuschliessen, dürften aber sehr selten sein. Sehr selten.

Links: Homepages der Swisscom, von Sunrise und Orange sowie der Deutschen Telekom und O2

Privat vs. Staat: Eisenbahngesellschaften

Der Paradezug der ÖBB, der railjet, (oben) muss sich die Schienen nun mit den Garnituren der WESTbahn teilen

Die EU hat den Eisenbahnverkehr Europas liberalisiert. Private Zuggesellschaften haben nun also die Möglichkeit Fahrt aufzunehmen und als Konkurrenten gegen die Staatsbahnen anzutreten. Durch den dadurch entstehenden Wettbewerb zwischen den Staats- und Privatbahnen sollen die Kunden durch ein besseres Angebot und letztlich günstigere Preise profitieren können. Als neuestes konkretes Beispiel ist die „WESTbahn“ zu nennen. Diese private Eisenbahngesellschaft fährt mit der Fahrplanänderung 2011 auf 2012 mit den österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) um die Wette. Die ÖBB hatten noch nie Konkurrenz, folglich war man auf die Veränderungen, welche die ÖBB aufgrund des Drucks der Konkurrenz tun würden, gespannt. Es zeigt sich jedoch bei genauerem Hinsehen, dass durch das Erscheinen von Privatbahnen sich der Kunde doch nicht so sehr über Optimierungen freuen kann oder sogar Verschlechterungen befürchten muss! Doch wie kann das sein, wenn die Idee doch eigentlich ist, dass die ÖBB aufgrund der Konkurrenz versuchen pünktlicher zu werden, die Preise anzupassen und den Service zu verbessern? Der Grund liegt daran, dass die ÖBB im Gegensatz zur WESTbahn die Aufgabe haben, ganz Österreich, also auch nicht gewinnbringende Strecken, zu bedienen. Die WESTbahn fährt als gewinnorientiertes Unternehmen aber nur auf lukrativen Strecken – in diesem Fall auf der Westbahn von Wien nach Salzburg (deshalb auch der etwas missglückte Name). Das bedeutet, dass auf derselben Strecke auch die ÖBB Gewinne einfahren, jetzt allerdings weniger als zuvor, da ja nun auch die WESTbahn um die Kundschaft buhlt. Zur Folge hat das, dass das staatliche Unternehmen aufgrund von Abschreibungen weniger gewinnbringende Strecken streichen und/oder andere (für den Kunden negative) Einsparungen machen muss, es sei denn, der Staat finanziert die neu entstandenen Lücken, was aber den Steuerzahler treffen würde. Nur auf der Westbahn (der einzigen Strecke, wo die WESTbahn fährt), werden die ÖBB also versuchen, sich zu verbessern, auf Kosten anderer Strecken. Zudem wird ein heftiger Preiskampf zwischen den ÖBB und der Westbahn zugunsten der Fahrgäste wohl ebenfalls ausbleiben: Die Fahrkartenpreise in Österreich sind schon jetzt so tief, dass kaum Spielraum für Senkungen vorhanden ist. Tatsächlich ist aber das Angebot zumindest auf der Westbahn sehr gut: ÖBB wie auch WESTbahn fahren mit 200 km/h, haben hochmoderne Züge (die ÖBB den railjet, die WESTbahn die Stadler KISS aus der Schweiz, allerdings auf österreichische Verhältnisse aufgemotzt) und bieten viele Annehmlichkeiten wie z.B. Steckdosen für jeden Sitzplatz oder einen kostenlosen Internetzugang. Diesen haben die ÖBB übrigens aufgrund der WESTbahn eingeführt – zumindest auf dieser Strecke lohnt sich also der Wettbewerb für den Kunden.

 

Links: Homepage der ÖBB, Homepage des ÖBB railjets, Homepage der WESTbahn

Zurück zur D-Mark! Oder doch lieber leben?

Wäre die D-Mark zurück, wäre der Teufel los

Es ist kein Geheimnis, dass der Euro in Deutschland (wie auch in vielen anderen Staaten der Eurozone) nicht wahnsinnig beliebt ist. Nicht wenige sehnen sich nach der D-Mark, der guten alten Währung Deutschlands. Zu Zeiten dieser sei doch so vieles besser gewesen! – Fragt sich nur: was? Dass es Deutschland zur Zeiten der D-Mark besser gegangen sei, wird von vielen behauptet, ist aber Quatsch. Gelinde ausgedrückt. Schliesslich gibt es keinen anderen der 17 Eurostaaten, der so sehr vom Euro profitiert wie Deutschland! Selbst die Schuldenkrise, welche im Übrigen nicht zur Senkung der Anzahl Euroskeptiker geführt hat, verhindert das Profitieren Deutschlands vom Euro nicht. Es ist also wahnsinnig ärgerlich, dass immer häufiger Stimmen zu vernehmen sind, welche von der Rückkehr zur D-Mark sprechen. Würde Deutschland den Euro verlassen, würde der Euro Europa verlassen – man darf also keinesfalls vergessen, dass es hier nicht nur um Deutschland geht, doch beziehen sich die hier genannten Ansätze hauptsächlich auf dieses Land. Es ist nämlich Deutschland, das dank des Euros ungehindert seine Produkte exportieren kann und das durch den Euro eine geringere Inflation hat als noch zu Zeiten der D-Mark. Weiter muss man sich bewusst sein, dass der Euroraum der grösste und reichste Wirtschaftsraum der Welt ist, selbst vor den Vereinigten Staaten! Und wenn man sich ansieht, was wäre, wenn die D-Mark wieder Einzug in Deutschland hielte, so braucht man starke Nerven – auch wenn man kein Deutscher ist: Die Exporte würden unglaublich darunter leiden (beispielsweise würden grosse Firmen wie die deutschen Autobauer weniger Konkurrenzfähig werden), Banken würden reihenweise zusammen- und Börsen einbrechen. Und da der Euro ohne Deutschland nicht mehr wäre, hätten auch die hoch verschuldeten Ex-Euroländer gewaltige Probleme. Denn diese hätten dann wieder eigene Währungen, welche sich gegenüber der D-Mark extrem abwerten würden, die Schuldenlast der betreffenden Staaten würde folglich explodieren, Staatspleiten wären wohl nicht mehr zu vermeiden und darauffolgend hätten die Gläubiger (andere Staaten und Banken) wiederum Probleme, weil sie unübersehbare Abschreibungen in Kauf nehmen müssten. Letzten Endes wäre es dann wieder der Steuerzahler, welcher für die neu entstandenen Lücken in den Geldbörsen der Staaten und Banken aufkommen müsste. Schöne Vorstellung, nicht?

Am Euro muss deshalb bedingungslos festgehalten werden. Dass auch hierbei der Steuerzahler leidet ist nicht abzustreiten, doch wird die Problematik nicht verschwinden, wenn wieder die D-Mark käme, sondern sich sogar noch verschärfen – dagegen wäre jede Rasiermesserklinge der Welt stumpf. Wer also zum Beispiel die Pleite von Lehman Brothers schlimm gefunden hat, dem sei nur gesagt: das war nur ein Lüftchen, hervorgerufen durch den Flügelschlag eines Schmetterlings – hingegen wäre der Kollaps der Eurozone eine Hypernova!

Link: Kommentar von Jan Gänger auf n-tv.de bzgl. der Konsequenzen einer Rückkehr zur D-Mark

Black Friday: Kein Grund schwarz zu sehen

Klassisches „Black-Friday-Bild“

Jährlich riecht es in den USA am „Black Firday“ nach Umsatz. Dieser Geruch war am letzten Black Friday besonders intensiv, was viele gefreut haben dürfte. Dieser Tag ist nämlich ein bedeutsames Signal für die Vereinigten Staaten respektive deren aktueller wirtschaftlichen Stabilität. Immerhin machen ganze zwei Drittel der gesamten Wirtschaftsleistung der USA Konsumausgaben aus(!), weshalb ein starker Black Friday ein wichtiger Indikator dafür ist, dass viele Leute ordentliche Konsumlust haben – auch bei sehr hoher Arbeitslosigkeit. Da der neueste Black Friday für nicht weniger als rund 11,4 Milliarden Dollar Umsatz sorge, was einer kräftigen Zunahme von 6,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht und damit einen neuen Rekord aufstellte, war er doch sehr zufriedenstellend.

Allerdings hatte er auch seine Schattenseiten: Da gerade am Black Friday die meisten Geschäfte mit Angeboten locken und sich deshalb viele, viele Menschen am Freitag nach Thanksgiving auf den Weg für einen Grosseinkauf machen, kann das zu einiger Problematik führen. So öffneten die Läden teils schon weit vor Sonnenaufgang, der Andrang war gewaltig. Im Bundesstaat Kalifornien gab es sogar Verletzte: eine Frau schreckte nicht davor zurück, einen anderen Kunden, welcher für sie offenbar „Konkurrenz“ war, mit Pfefferspray anzusprühen, um das gewünschte Angebot selbst ergattern zu können.

Link: SF: Konjunktursorgen vergessen – „Black Friday“ füllt die US-Kassen

Ratingagenturen: Wenn aus AAA AA+ wird

Die drei grossen amerikanischen Ratingagenturen: S&P, Moody’s und Fitch

Es ist schon erstaunlich, wie viel Einfluss eine Ratingagentur auf die Weltwirtschaft hat. Ändert beispielsweise Standard & Poor’s die Note der Bonität eines Staates, indem es das dritte A der Note AAA durch ein Pluszeichen ersetzt, hat das gewaltige Konsequenzen: ganze Staaten – auch die wichtigsten und grössten der Welt – können sich der Macht einer Ratingagentur nicht entziehen und stehen oder fallen mit dem Urteil einer solchen. Grundsätzlich ist es ja nicht schlecht, dass sich jeder an Noten der Bonität der Länder (wie auch Unternehmen) orientieren und somit das Risiko von allfälligen Käufen von Anleihen besser abschätzen kann, doch, so finde ich, sollte die Bedeutsamkeit der Ratingagenturen deutlich eingeschränkt werden. Es ist aus meiner Sicht nämlich nicht nachvollziehbar, dass – insbesondere in so heiklen Situationen wie in der aktuellen europäischen Schuldenkrise – eventuelle Erfolge durch Herabsetzungen der Noten hinausgezögert oder aber sogar verhindert werden! Denn genau so können gefährliche Teufelskreise entstehen, indem sich Staaten, welche eh schon riesige Schuldenberge haben, diese aber verkleinern wollen, nur mehr mit extrem teuren Krediten finanzieren können, was zu einem Anstieg des Schuldenbergs führen kann, wenn die Sparbemühungen nicht noch weiter gesteigert werden. Nicht grundlos war hin und wieder zu hören, dass die EU Ratingagenturen in Europa verbieten wolle. So weit wird es wohl nicht kommen, da die Massnahmen letztlich bei Einschränkungen bleiben sollen, doch kann ich ein solches Handeln der EU aufgrund der genannten Gründe durchaus nachvollziehen.

 

Links: NZZ.ch: Härtere Zeiten für Ratingagenturen in der EU, Homepage von S&P, Homepage von Moody’s, Homepage von Fitch